40 Stunden Anbetung

40-stündiges Gebet in St. Rochus

40-stündiges Gebet in St. Rochus

bei Jesus sein

Wir feiern wieder die Feier der 40-stündigen Anbetung vor dem Allerheiligsten Altarsakrament. Damit entsprechen wir auch dem Wunsch des Hl. Vaters, der in der Nacht von Freitag auf Samstag vor dem 4. Fastensonntag zu „24 Stunden für den Herrn“ auf der ganzen Welt aufruft.

Auch war es dem hl. Philipp Neri ein Herzensanliegen, die Liebe zu Jesus durch die Verehrung der Hl. Eucharistie über 40 Stunden zu fördern.

Programm 23. bis 26. März 2017

Donnerstag, 23. März:
18.30 Uhr Feierliche AUSSETZUNGS-MESSE
bis 22.00 Uhr Anbetung 

Freitag, 24. März:
Ganztägige Anbetung
18.00 Uhr Kreuzweg
19.00 Uhr „Abend der Barmherzigkeit“

Anbetung die ganze Nacht hindurch, dem Aufruf von Papst Franziskus folgend, „24 Stunden für den Herrn“ da zu sein.

Samstag, 25. März:
8.30-18.30 Uhr und 19.15-20.00 Uhr 

Sonntag, 4. Fastensonntag – LAETARE, 26. März:
12.00-18.00 Anbetung des Allerheiligsten
15.00-18.00 Einkehrtag zum Thema „Sinn und Bedeutung des Opfers“ mit P. Johannes Cornides (Gem. d. Seligpreisungen, Pfr. von Maria Langeck)
18.00 Uhr EINSETZUNG DES ALLERHEILIGSTEN ALTARSAKRAMENTES zum Abschluß des Vierzigstündigen Gebets und BEGINN DER MONATSWALLFAHRT

(Kreuzweg entfällt!)

40 Stunden – lang oder kurz?

Jährlich wird in St. Rochus um den vierten Fastensonntag das 40stündige Gebet abgehalten. Diese Andachtsform stellt keine oratorianische Eigenheit dar, sondern kann auf eine lange fruchtbare Tradition zurückblicken. Wie und warum werden diese Stunden abgehalten?

Jeder kennt das Gefühl, dringend Ruhe zu brauchen – zum Atem holen und Luft schöpfen. Nicht nur, dass ein Jahr unversehens vorüber rast oder der Monat verfliegt, auch die Woche und ein einziger Tag rauschen nur so vorbei, während wir in aller Geschäftigkeit doch unentwegt den Eindruck haben, es fehle uns an Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Zwischen dem andauernden Bombardement durch Nachrichten, die die Welt bewegen oder nur mein eigenes Herz und Hirn, im Zustand ununterbrochener Kommunikation hin und her über die unsichtbaren digitalen Kanäle von Mobilfunk und Internet stellt sich vielleicht zuweilen dennoch oder gerade deshalb ein undefinierbares Gefühl von Selbstverlorenheit ein.

Als Gegenbild oder Kontrastprogramm dazu legen Sie kurz einmal Ihr Handy weit weg, schalten den Fernseher aus und klappen den Laptop zu – und  nun stellen Sie sich einen großen, weiten Raum vor; er ist nicht nur schön und wertvoll, sondern auch visuell ruhig: kein Blinken, keine unruhigen Bewegungen der omnipräsenten Bildschirme stört, kein lautes Gerede, keine Bekannten zum Tratschen – nur Sie sind dort. Vielleicht noch jemand anderes; aber keine Sorge, er schaut Sie sicher nicht an, sondern hat sich auch in diese städtische Exklave zurückgezogen, aus demselben Grund wie Sie: Friede und Ruhe.

Sie erraten schon den Ort Ihres imaginären Aufenthaltes und erinnern sich sicher auch an die ein oder andere Gelegenheit, in der Sie zum kurzen Verweilen in eine Kirche eingetreten sind; vielleicht haben Sie sogar zu Gott gesprochen oder eine Kerze vor der Jungfrau Maria angezündet. Jedenfalls wissen Sie den Wert solcher kurzen Momente zu schätzen.

Daher auch gibt es bald wieder das feierliche 40stündige Gebet in der Kirche: wir möchten den Rahmen bieten für Ruhe, Stille und – Gebet. Es ist ja vor allem auch eine gewisse Gottverlassenheit, die den Menschen aller Zeiten – und heute besonders – so auslaugt und teilweise entmutigt. Aber ER ist da und wartet gerne auf uns, ER möchte von uns selbst hören, was in uns vorgeht, was uns bewegt und wo wir Hilfe brauchen.

Es ist zwar sicher nicht so, als wären die Menschen vergangener Jahrhunderte ebenso in andauernder Kommunikation und sinnlicher Überreizung durch Fernsehen und Internet, Straßenwerbung und Werbeflut erstickt; aber das Bedürfnis nach Rückzug ins Innere und zu Gott ist eine menschliche Grundkonstante. Vielleicht fällt es uns gerade heute besonders schwer, dieses Bedürfnis überhaupt zur Geltung kommen zu lassen.

Jedenfalls hat schon der Gründer der Oratorianer, der fröhliche hl. Philipp Neri, im prächtigen und teils närrischen Renaissance-Rom eine alte Tradition gepflegt und gefördert, die genau auf diese menschliche Sehnsucht zugeschnitten ist: die Quarant’ore . Wie der Name schon sagt, handelt es sich um die Dauer von 40 Stunden. Sie erinnern auch an die Grabesruhe Jesu vor seiner Auferstehung.

In dieser Zeit wird das Allerheiligste Altarsakrament feierlich auf dem Altar ausgestellt, es umflackern unzählige Kerzen und ständig kniet ein Priester im Gebet davor – auch in der Nacht. Für den Christen ist es sehr beruhigend, dass er sein Heil nicht in irgendwelchen Energiefeldern, esoterischen Produkten oder Praktiken findet kann, sondern einzig und allein in der Person Jesu Christi, weil er Gott ist. Durch seine Menschwerdung hat er Gott erfahr- und verstehbar gemacht. Das geschah vor allem durch sein beständiges Bemühen, die Körper und vor allem die Herzen zu heilen.

Nun ist Jesus ja nicht einfach weg und verschwunden, sondern wir glauben an sein Wort, dass er bei uns bleibt bis zum Ende der Welt und vor allem in Gestalt der hl. Hostie wirklich bei uns ist.

Wenn Sie also vielleicht auch den Eindruck haben, irgendwie weit weg von Gott zu sein, oder wenn Sie ihn überhaupt kennenlernen möchten, dann machen Sie das Experiment und gehen Sie an den Ort, an dem schon viele Menschen wirklich die Nähe Gottes gespürt und erfahren haben!

Hier finden Sie eine Hilfe, die aber auch massenhaft in der Kirche aufliegen wird. Probieren Sie es einfach mal aus!

 

Die Geschichte der Quarantore

Woher kommt die alte Tradition, über 40 Stunden den Herrn anzubeten?

Wenn die Kirchentore der Rochuskirche auch nachts offenstehen, dann hat entweder der Mesner auf das Schließen vergessen oder es wird drinnen das 40stündige Gebet gehalten. In 99 Prozent der Fälle trifft zweiteres zu und obendrein wissen wir spätestens jetzt, dass wir das 4. Wochenende in der Fastenzeit haben, dessen Sonntag den schönen Namen „Lætare“ (zu Deutsch: freu Dich!) trägt. Wenn Sie üblicherweise nachts nicht unterwegs sind, gibt es dennoch genügend Möglichkeiten, diese alte Gebetstradition mitzuerleben.

Wir als Oratoriumskirche haben einen besonderen Bezug zu dieser Andachtsform, wurde sie doch von unserem heiligen Gründer Philipp Neri besonders geschätzt und gepflegt. Zwar liegen die Ursprünge der Quarantore im Dunkeln der Geschichte verborgen, doch ist gerade für die Renaissance eine geradezu euphorische Ausbreitung dieser ausdauernden Art der Anbetung dokumentiert. Neben unserem fröhlichen Heiligen hat auch sein Zeitgenosse und Ordensgründer Ignatius von Loyola diese sehr gefördert – ganz abgesehen von den verschiedenen Päpsten der obengenannten Epoche. Aus ihren Schreiben geht auch hervor, was neben anderen Gründen die effektive Anziehungskraft der Quarantore ausmachte.

Dazu werden wir uns ein wenig in den Beginn der Neuzeit zurückversetzen: Durch die Entdeckung der beiden Amerikas war (nicht nur das geographische) Weltbild des Menschen in ungeahnter und atemberaubender Weise entgrenzt worden. Ein großer Entdecker- und Pioniergeist hatte unzählige Menschen ergriffen und zu waghalsigen Abenteuern geführt. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch die innere Welt Europas aus den Angeln gehoben. Luther und andere Sucher und Stürmer erkannten in der Kirche unchristliche Strukturen. Sie forderten Erneuerung und Umwälzung und stürzten in ihrem Übereifer die alte Ordnung zu Boden, wo sie nur konnten, verwarfen dabei selbst heiligste Glaubensinhalte und entzweiten die abendländische Christenheit und das Heilige Römische Reich. Alte Werte wurden umgestoßen und eine große Tradition zu ersticken versucht.

In Rom hatte man sich zeitgleich des lange schlummernden Schatzes der antiken römischen Kultur besonnen und wetteiferte in der Entdeckung und Nachahmung jener goldenen und heidnischen Zeit. Von diesem fast trunkenen Vergangenheitsdurst und egomanischer Lebensfreude hat dieses Zeitalter seinen Namen erhalten: „Wiedergeburt“ (franz. Renaissance). Was am alten Weltbild erweitert und niedergeworfen war, all die alte Sicherheit und Gewissheit, wurde also in einem neuen Ich-Bewusstsein rekompensiert. In der Kunst erscheint die dritte Dimension mit einer eindeutigen Fokussierung auf den einzelnen Menschen. Im sehr fruchtbaren wissenschaftlichen Diskurs und der religiösen Diskussion wird nichts mehr a priori als wahr anerkannt, alles muss hinterfragt, bewiesen werden und bleibt somit fragwürdig.

Der alte Glaube, welcher nicht selten durch weltliches Gehabe und Gepränge der geistlichen Fürsten abgedunkelt wird, scheint überholt oder zumindest nicht mehr tragfähig. Rom ergibt sich den weltlichen Leidenschaften und der päpstliche Hof wetteifert mit den anderen europäischen Herrscherhäusern um den Vorrang in Kunst und Kultur, Genuss und Überfluss.

Zeitgleich mit den Fragen des Glaubens und der Ordnung stellt sich dem christlichen Europa ein anderes, weniger spitzfindiges denn fundamentales Problem: der Türkenansturm auf den alten Kontinent. Besonders bekannt und zu literarischer und liturgischer Verewigung hat es in diesem Zusammenhang die Seeschlacht von Lepanto gebracht, welche am 7. Oktober 1571 – dem Himmel sei Dank – zugunsten Europas entschieden werden konnte.

Damit hätten wir grob die Triebkräfte des 40stündigen Gebetes umrissen: Kultureller Umbruch, sittliche Entkernung und kriegerischer Überlebenskampf einer Epoche.

Diese Elemente tauchen immer wieder auf, liest man die Schreiben der Päpste, mit welchen sie zu den Quarantore aufrufen und die Art der Anbetung regeln (so Paul III. 1539, Clemens VIII. 1592 und Clemens XII. 1731). Auch wurden für die Teilnahme an dieser Gebetsform Ablässe gewährt und die Gläubigen besonders eingeladen, diese pflegen.

Die Idee, den Herrn im Allerheiligsten Altarssakrament über 40 Stunden ununterbrochen anzubeten, leitet sich schon aus der Hl. Schrift ab. Einerseits von der Episode, in der Jesus Christus nach dem Letzten Abendmahl und vor der Gefangennahme im Garten Getsemani seine begleitenden Apostel Petrus, Jakobus und Johannes dazu auffordert, zu wachen und zu beten. Sie jedoch fallen in tiefen Schlaf und lassen den Herrn allein in seiner Todesangst.

Andererseits erinnern die 40 Stunden an die drei Tage der Grabesruhe Christi, welche für die Apostel und Jünger eine große Herausforderung an den Glauben darstellten. Auf diese langen Stunden würde jedoch die fulminante Auferstehung folgen.

War es nicht so, dass die Leute auch in der neuen Zeit schliefen, zogen sie nicht alle weltlichen Lustbarkeiten dem Gottesdienst vor, vergaßen sie nicht über die neu entdeckten Götter der Antike auf den einen Gott, schien nicht die Türkengefahr eine Strafe zu sein für die Gottlosigkeit in Gesellschaft und Kirche? Viele Gläubige fühlten sich gerufen, sich als treue Apostel zum Herrn zu stellen und von ihm allein die Rettung – zeitlicher und überzeitlicher Art – zu erwarten.

Damit hatte diese Art der Anbetung zwei Komponenten: die gemeinschaftliche der Stellvertretung für alle untreuen und „schlafenden“ Gläubigen und das Bemühen, selbst ein guter Christ zu sein.

Der hl. Philipp Neri liebte die Quarantore sehr und verbrachte sie vollständig im Gebet! Er setzte damit auch ein Zeichen, dass er die Lösung aller Probleme nur von der Gnade Gottes abhängig sah und sich vom Herrn über Himmel und Erde tatsächlich alles erwartete. Als beispielsweise sein Werk vor die Inquisition gezerrt wurde, stellte er klar, er werde sich stets und in allem dem Schiedsspruch der Kirche unterwerfen. Schließlich bedürfe Gott seiner selbst nicht, um das Gute zu tun. Dass er es aber tun werde, davon war unser Heiliger immer fest überzeugt. Dieses Gottvertrauen hat sich in seinem ganzen Leben bewährt.

Insofern gilt auch uns diese Einladung des hl. Philipp, von Gott die Lösung aller Schwierigkeiten (der eigenen, der Kirche und der Gesellschaft) nicht nur zu erwarten sondern auch zu erbitten. „Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird“, sagt Christus (Joh 14,13).

Auch heute steht unsere abendländische Heimat in großen Umbrüchen, ist in Relativismen gefangen, gefällt sich im Zweifel, schlummert in wachsenden Gefahren dahin. Selbst innerhalb der Kirche müssen wir feststellen, dass dem lebendigen Wort Gottes nicht geglaubt wird. Statt sich zu ärgern und resigniert zurückzuziehen, stehen uns die Tore zum Heiligtum offen, sodass wir dem Herrn der Geschichte unser eigenes Leben, die Zukunft der Kirche und die Geschicke der Menschheit getrost überantworten können.

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Pfarre St. Rochus und Sebastian
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