Brief von P. Rudolf Schaffgotsch CO an die Gläubigen

Liebe Gläubige, liebe Besucher der Rochuskirche!

Schon lange möchte ich Ihnen schreiben, was mir auf dem Herzen liegt. Es ist uns Mitbrüdern im Oratorium allen ein Anliegen, in dieser Zeit mit Ihnen verbunden zu bleiben und jetzt auch Wegweisung zu geben, damit wir alle gut damit umgehen geistlichen Gewinn daraus ziehen können. Der hl. Augustinus sagt uns, dass uns zwar so manches passieren kann, was Gott so nicht will, wir aber sicher sein können, dass er es, wenn er es zulässt, zu unserem Heil gebrauchen kann. Versuchen wir, dem auf die Spur zu kommen.

Die zwei markantesten Einschränkungen unseres kirchlichen Lebens sind, dass wir uns momentan nicht versammeln und nicht gemeinsam Eucharistie feiern können. Darin sehe ich zwei konkrete Anstöße, die Gott uns mit Nachdruck gibt: unsere Liebe zu Ihm in der Eucharistie zu erneuern und das Gebet in die Häuser zu holen. Das sind beides Anliegen, die der hl. Philipp Neri im Rom des 16. Jahrhunderts auch mit Hingabe verfolgt hat, und mit wunderbaren Früchten.

Das gemeinsame Gebet

Der zweite Punkt hat mich in den Lebensbeschreibungen des hl. Philipp von Anfang an fasziniert. „Er führte in vielen Häusern Roms das Familiengebet ein“, heißt es da jedesmal. Das wünsche ich mir für Wien! Ganz bestimmt war es ein wesentlicher Faktor, dass Rom in seiner Lebenszeit wieder eine christliche Stadt wurde, denn wie können wir Salz der Erde sein oder Licht der Welt, wenn wir Jesus nicht bei uns, sozusagen zuhause haben? Haben wir ihn aber, dann lässt es sich fast nicht „vermeiden“! Der Herr Kardinal als unser Bischof und P. Florian als unser Pfarrer haben uns – m. W. ohne sich abzusprechen – zum gemeinsamen Gebet in den Häusern und Familien angespornt. Aus meiner eigenen Familie und von mir selber weiß ich, dass es selbst unter gläubigen Menschen ohne Übung nicht leicht ist, einander an das Innerste heranzulassen und gemeinsam, womöglich auch noch laut zu beten. Ich kenne andererseits auch die Freude und tiefe Verbundenheit, die es schenkt, wenn das gelingt oder sogar (schon) selbstverständlich ist! Oft hilft ein äußerer Anstoß dazu, über diesen „Schatten“ zu springen. Der ist jetzt da, nützen wir ihn! Wenn man sich vorstellt, dass die Kirche auf drei Ebenen lebt, Pfarre, Diözese und Hauskirche, dann scheint mir, Gott lädt uns jetzt ein, die Hauskirche kräftig zu stärken und zu entwickeln! Da gibt es Spielraum, und es wird unbändigen Segen bringen! Gott will im Geist und in der Wahrheit angebetet werden, sagt uns das gestrige Sonntagsevangelium (Joh 4, die Samariterin am Jakobsbrunnen) – das heißt im Heiligen Geist und in Jesus – und das können wir an jedem Ort!

Die Eucharistie

Die Eucharistie ist natürlich das Herz unseres Glaubenslebens. Jesus spricht selber ausdrücklich davon (z. B. im 6. Kapitel des Johannesevangeliums), „Quelle und Höhepunkt“ nennt sie das 2. Vatikanische Konzil, „die Kirche lebt von der Eucharistie“ begann der hl. Johannes Paul II. seine letzte Enzyklika.

Der Zugang zu ihr ist jetzt nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor einer Woche. Es scheint mir sonnenklar, dass Gott unsere Sehnsucht nach ihm in der Kommunion stärken möchte. Er will uns helfen, ihn mit mehr Liebe, Staunen, Ehrfurcht und Dankbarkeit zu betrachten und zu empfangen, wenn er es uns wieder schenkt. Wir können bis dahin eine Gewissenserforschung machen: Wie war meine Vorbereitung auf die hl. Kommunion? Wie meine Danksagung? Durfte Jesus dann bei mir bleiben und meine Tage prägen, ihnen die lebhafte Färbung seiner Gegenwart geben, seinen Blick, sein Urteil (oder eben Nicht-Urteilen), seine Prioritätensetzung?

Für unsere westliche Christenheit global betrachtet fällt diese Prüfung, fürchte ich, beschämend aus. Wie sehr haben wir die Gegenwart des Herrn in der Eucharistie weithin ignoriert, allzu leicht zum Zankapfel liturgischer Vorlieben gemacht oder ihn gedankenlos und nicht selten unwürdig empfangen! In den letzten Jahrzehnten hat er auf positive Weise durch eucharistische Wunder, wie sie seit Jahrhunderten nicht geschehen sind, und eine Naturwissenschaft, die uns darüber staunen lehrt, wie es bisher nicht möglich war (vgl. Buenos Aires 1996 und Sokolka 2008, um nur zwei anerkannte zu nennen), lange und liebevoll um unsere Aufmerksamkeit geworben. Mir will scheinen, er tut dasselbe jetzt mit derselben Liebe auf einem anderen Weg, den wir ihn auch fühlen.

Alle, die die hl. Messe sehr schmerzlich vermissen, möchte ich an die hl. Bernadette von Lourdes erinnern. Als sie schon in der Krankenstation ihres Klosters lag und nicht mehr in die Kapelle kommen konnte, fragte eine Besucherin sie, ob sie nicht sehr darunter leide. Zur Antwort wies Bernadette auf ein Andachtsbildchen neben ihrem Bett, das einen Priester mit Ministrant zeigte, wie er gerade nach der Wandlung die Hostie erhebt. „Wissen Sie“, sagte sie, „dann schaue ich da hin und stelle mir vor, irgendwo auf der Welt ist jetzt genau dieser Moment, und verbinde mich ihm. – Und dann möchte ich manchmal“, fügte sie schalkhaft hinzu, „dem kleinen Ministranten einen Stoß geben, dass er endlich läuten soll!“

In der hl. Eucharistie ist Jesus Christus im Augenblick seines Lebensopfers für uns gegenwärtig, dem größten Akt der Liebe überhaupt, wie Papst Franziskus uns sagt (vgl. z. B. seine Katechesen im Februar 2014, abrufbar unter w2.vatican.va/content/francesco/de/audiences/2014/documents/papa-francesco_20140205_udienza-generale.html und w2.vatican.va/content/francesco/de/audiences/2014/documents/papa-francesco_20140212_udienza-generale.html und ganz ähnlich Papst Benedikt XVI. in Köln 2005 (http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/homilies/2005/documents/hf_ben-xvi_hom_20050821_20th-world-youth-day.html). Können da unsere Herzen kalt bleiben? „Wenn ich glauben würde, was die Katholiken glauben, wäre ich den ganzen Tag auf den Knien!“, soll einmal ein evangelischer Christ über „unsere“ Eucharistie gesagt haben. Möge Gott uns einen solchen, frischen Blick auf das Wunder schenken, mit dem wir in täglicher Vertrautheit leben dürfen, damit wir seinen Reichtum ausschöpfen lernen!

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Augenblick können wir leider nicht sagen, ‚wenn wir jetzt sehr brav sind, ist alles schnell vorbei‘. Die uns auferlegten Einschränkungen haben ja genau das Gegenteil zum Ziel, nämlich die Epidemie in die Länge zu ziehen. Dass das gut ist, leuchtet einem schnell ein, wenn man sich z. B. eine fünfköpfige Familie vorstellt, in der ein Kind krank ist, oder zwei. Das ist gewöhnlich kein Problem. Wenn es alle sind und womöglich auch noch der Vater – – selbst so etwas meistern unsere großartigen Mütter nicht selten, aber es ist besser zu vermeiden!! Und… – ich brauche das Bild nicht weiter auszuführen.

Seien wir also tatsächlich ‚sehr brav‘ und folgen den Anordnungen unserer Verantwortlichen! Tun wir das in großem Frieden und konzentrieren unser Fragen darauf, wohin Gott unsere Aufmerksamkeit in diesen Tagen lenken möchte. Wir müssen alles tun, die Sache in die Länge zu ziehen. Er kann sie in einer Sekunde von uns nehmen und tut das sicher gern, wenn wir gelehrig sind und ihn bitten!

„Nur Mut, Gott lenkt alles“, haben viele Mitbrüder gestern, an seinem 200. Todestag, unseren Stadtpatron, den hl. Klemens Maria Hofbauer zitiert. Mit diesem Mut segne Sie Gott, auch mit Geduld, Frieden des Herzens und guter Gesundheit! Beten wir gemeinsam für alle und besonders für diejenigen unter uns, die es jetzt am schwersten haben, weil sie selber krank sind, Kranke pflegen und besonders viel arbeiten müssen oder auch plötzlich keine Arbeit haben.

Alle Oratorianer sind Ihnen fest verbunden, ganz neu über Youtube und facebook, und besonders in den hl. Messen, die wir streng zu den gewohnten Zeiten für Sie und geistig mit Ihnen feiern.

Ihr getreuer P. Rudolf Schaffgotsch

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